Donnerstag, 13. Mai 2010

#9 Wissenschaftstheorie: Eisbärendienst

[1] Klimawissenschafter sorgen sich um die Integrität der Wissenschaft:

"We are deeply disturbed by the recent escalation of political assaults on scientists in general and on climate scientists in particular. All citizens should understand some basic scientific facts."

Sie verwendeten dabei ein Foto, um ihre Ansicht zum Klimawandel zu illustrieren: Ein Eisbär auf einer Eisscholle. Das Bild ist eine Fotomontage. Es wurde inzwischen ausgetauscht. Wolfgang Röhl kommentiert den Vorfall dort und verweist naheliegend auf die vielen Bären, die viele Klimaforscher dem Publikum aufbinden.



[2] Antony Watts weist da darauf hin, daß die Fotomontage offenbar in dem Peer Review-Prozess von niemandem erkannt worden ist. Wenn der Montagescharakter des verwendeten Fotos bei diesen vielen Klimawissenschaftlfern unbekannt ist, muß der Diskurs offenbar sehr informationsimmun. Da hätte man sich einen Eisbärendienst erwiesen, wenn dieser Mißgriff Bekanntheit erlangen würde. Im übrigen taucht in dem ganzen Artikel kein einziger Hinweis auf, wie man es mit der mittelalterlichen Wärmeperiode halten. Wenn es aber über einem Zeitraum von mehreren Jahrhunderten wärmer als heute gewesen wäre, kann diese Annahme falsch sein:

"Natural causes always play a role in changing Earth's climate, but are now being overwhelmed by human-induced changes."

Anekdotische Evidenz gibt es, daß das Klima vor einem Jahrtausend über Jahrhunderte (nicht über Jahrzehnte) wärmer gewesen sein muß: Wikinger in Grönland, Weinbau in Nordeuropa. Wenn man sich zur mittelalterlichen Wärmeperiode nicht mehr äußern will, nimmt das einem Zweifler an der Dominanz eines menschengemachten Klimawandels sicher nicht die Zweifel.

[3] Die Klimaforscher fordern auch:

"We also call for an end to McCarthy-like threats of criminal prosecution against our colleagues based on innuendo and guilt by association, the harassment of scientists by politicians seeking distractions to avoid taking action, and the outright lies being spread about them."

Das Verhalten der Klimawissenschaftler entspricht sicher nicht dem kategorischen Imperativ, da z.B. die Methoden, mit denen Stefan Rahmstorf Meinungen und Argumente anderer in den letzten Jahren bekämpfte, könnte man auch als "McCarthy-like" einordnen. Wie schon beschrieben, den klimawissenschaftlichen Diskurs müssen wir mehr als Machtspiel nach Michel Foucault und weniger als Habermassche Konsensfindung wahrnehmen.